Audio-Tour Winterthur

Eigenheimquartier

100 Jahre Selbsthilfe-Kolonie

12 Stationen durch die Selbsthilfe-Kolonie im Geiselweidquartier. Der Rundgang erzählt die Geschichte der 1925 bis 1929 erbauten Eigenheimsiedlung – von der Selbsthilfe über die Architektur bis zum Denkmalschutz.

12
Stationen
1-1.5 Stunden
Dauer
Offline
nutzbar
Eigenheimquartier – Audio-Tour durch Winterthur

Durch die Selbsthilfe-Kolonie

Die Selbsthilfe-Kolonie entstand zwischen 1925 und 1929 im Winterthurer Geiselweidquartier. 118 Häuser, private Gärten und gemeinschaftliche Einrichtungen bilden bis heute ein zusammenhängendes Quartier. Der Rundgang führt in zwölf Stationen vom Eigenheimweg über den Kindergarten bis zum Maurerweg.

Stationen der Tour

Der Rundgang in der Reihenfolge: Start, alle Stationen und das Ziel. Tippe auf einen Eintrag, um die Beschreibung zu lesen.

  1. StartHerzlich willkommen zum selbstständigen Quartierrundgang durch die Selbsthilfe-Kolonie in Winterthur!

    Start am Eigenheimweg beim Gipserweg. Der Rundgang führt durch die Selbsthilfe-Kolonie, die zwischen 1925 und 1929 im Geiselweidquartier entstand.

  2. 01Die Entstehung der Selbsthilfe-KolonieGipserweg

    Die Selbsthilfe-Kolonie (90 Einfamilienhäuser und 28 Zweifamilienhäuser) entstand zwischen 1925 und 1929 im Geiselweidquartier in Winterthur. Nach dem Ersten Weltkrieg herrschten Wohnungsnot und wirtschaftliche Unsicherheit. Besonders kinderreiche Familien mit geringem Einkommen hatten Schwierigkeiten, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Die Siedlung ermöglichte Arbeiter- und Handwerkerfamilien den Erwerb eines Eigenheims. Durch eigene Arbeitsleistung, öffentliche Unterstützung und eine kostengünstige Bauweise wurde Wohneigentum erschwinglicher. Die Planung orientierte sich an der Gartenstadtidee und verband Häuser, Gärten, Wege und gemeinschaftliche Einrichtungen.

  3. 02Die Idee der SelbsthilfeGipserweg

    Die künftigen Hausbesitzer leisteten rund zehn Prozent der Baukosten durch eigene Arbeit. Vor allem Handwerkerfamilien beteiligten sich mit etwa 900 Arbeitsstunden pro Familie am Strassenbau, Aushub, Verputzen, Bodenlegen, Malen und an der Gartengestaltung. Anspruchsvollere Arbeiten übernahmen Baufirmen. Organisiert wurde das Projekt von der Baugenossenschaft Selbsthilfe-Kolonie, gegründet von Franz Scheibler und Gustav Adolf Kellermüller. Die eigene Arbeitsleistung senkte die Baukosten und machte Eigenheime für Familien mit bescheidenem Einkommen erschwinglicher.

  4. 03Die Finanzierung und die BaukostenSpenglerweg

    Ein schlüsselfertiges kleines Einfamilienhaus kostete rund 16'250 Franken, die grösseren Häuser etwa 17'850 Franken. Die Finanzierung kombinierte Hypotheken, öffentliche Subventionen und Eigenleistung. Bei einem eingebauten Haus bestanden die Mittel aus einer ersten Hypothek von 10'000 Franken, einer zweiten Hypothek der Stadt Winterthur von 3'300 Franken, Subventionen von Kanton und Bund in Höhe von 1'500 Franken sowie rund 1'450 Franken Eigenleistung. Einfache Grundrisse, einheitliche Haustypen und der Verzicht auf aufwendige Verzierungen reduzierten die Baukosten zusätzlich.

  5. 04Die Architekten Scheibler und KellermüllerFranz-Scheibler-Weg

    Die Selbsthilfe-Kolonie wurde von den Winterthurer Architekten Franz Scheibler (1898–1960) und Gustav Adolf Kellermüller (1895–1981) geplant und organisiert. Beide gründeten gemeinsam die Baugenossenschaft Selbsthilfe-Kolonie und engagierten sich für bezahlbaren Wohnraum. Scheibler wurde durch das Studium bei Heinrich Tessenow in Dresden geprägt. Kellermüller arbeitete später an zahlreichen Wohnsiedlungen, Industriebauten, Schulen und öffentlichen Gebäuden. Gemeinsam verbanden sie wirtschaftliche Bauweise mit guter Wohnqualität und sozialer Verantwortung.

  6. 05Von Dresden nach Winterthur – Heinrich Tessenows EinflussFranz-Scheibler-Weg

    Der deutsche Architekt Heinrich Tessenow (1876–1950) prägte den schlichten und kostengünstigen Kleinhausbau. Franz Scheibler studierte von 1921 bis 1923 als Meisterschüler bei ihm in Dresden. Tessenow setzte auf klare Formen, einfache Baukörper und den Verzicht auf überflüssige Ornamente. Diese Prinzipien zeigen sich auch in der Selbsthilfe-Kolonie: Die Häuser besitzen nahezu quadratische Grundrisse, schlichte Fassaden und bündig abschliessende Dächer. Die Gestaltung sparte Kosten und ermöglichte gleichzeitig eine gute Wohnqualität.

  7. 06Die Bauetappen von 1925 bis 1929Adolf-Kellermüller-Weg

    Die Selbsthilfe-Kolonie entstand zwischen 1925 und 1929 in mehreren Etappen. 1925 und 1926 wurden Häuser am Eigenheimweg und an der Grüzefeldstrasse gebaut. Bereits Ende September 1925 zogen die ersten Bewohner ein. Zwischen 1926 und 1927 kamen der Kindergarten und der Quartierladen hinzu. Weitere Häuser entstanden bis 1929 am Eigenheimweg, Gipserweg und Spenglerweg. So entwickelte sich schrittweise eine Grosssiedlung mit Wohnhäusern, Gärten, Wegen und gemeinschaftlichen Einrichtungen.

  8. 07Die Häuser und ihre ArchitekturSchwimmbadweg

    Die Häuser der Siedlung sind in 15 unterschiedlich langen Reihen angeordnet. Typisch sind nahezu quadratische Grundrisse von etwa 6 × 6 Metern, zweiachsige Fassaden, Backsteinmauerwerk und bündig abschliessende Ziegelsatteldächer. Die Häuser besitzen sogenannte Zargenfenster und eine praktische Raumaufteilung. Ursprünglich waren die Fassaden hausrot oder ochsenblutrot gestrichen, ergänzt durch weisse Fensterrahmen und grüne Klappläden. Einzelne Häuser sind zu spiegelbildlichen Paaren zusammengefasst. Durch die Wiederholung ähnlicher Baukörper entsteht ein geschlossenes Gesamtbild. Die zurückhaltende Gestaltung war nicht nur eine ästhetische Entscheidung: Einfache Formen und zweckmässige Grundrisse halfen, Material und Baukosten zu sparen. So verbindet die Siedlung wirtschaftliches Bauen mit einer klaren architektonischen Ordnung.

  9. 08Wohnen im EigenheimquartierZimmererweg

    Die Häuser wurden für Arbeiterfamilien mit mehreren Kindern geplant. Im Erdgeschoss lagen die Wohnstube und eine kleine Küche. Das Obergeschoss umfasste zwei Schlafzimmer und Nebenräume, während sich im Dachstock eine weitere Schlafkammer befand. Im Keller gab es unter anderem eine Waschküche. Die kompakte Raumaufteilung sollte den Alltag erleichtern und trotz begrenzter Fläche eine gute Wohnqualität ermöglichen. Zum Haus gehörte auch ein Garten. Für ein eingebautes Mittelhaus waren ungefähr 150 Quadratmeter Gartenland vorgesehen, für ein Eckhaus rund 320 Quadratmeter. Der Garten ergänzte den Wohnraum und konnte zur Selbstversorgung genutzt werden.

  10. 09Gartenstadt und GrünräumeParkanlage Kindergarten

    Die Selbsthilfe-Kolonie orientierte sich an der Gartenstadtbewegung, die Wohnen, Natur und gemeinschaftliche Einrichtungen miteinander verbinden wollte. Jedes Haus verfügte über Gartenland, das ursprünglich auch der Selbstversorgung diente. Der Eigenheimweg wird durch Rasenstreifen, Alleebäume und Hecken geprägt und führt zum Quartierzentrum. Beim Kindergarten liegt eine Parkanlage mit Rasen, befestigter Platzfläche und Bäumen. Ursprünglich umgab ein geschlossener Baumkranz das Areal. Teile davon sind erhalten geblieben. Später kamen ein Planschbecken und Spielplatzeinrichtungen hinzu. Trotz späterer Veränderungen sind die ursprüngliche Struktur und die Bedeutung der Grünräume weiterhin erkennbar.

  11. 10Kindergarten und QuartierladenEigenheimweg 56

    Der Kindergarten und der ehemalige Quartierladen bildeten das soziale und städtebauliche Zentrum der Siedlung. Beide Einrichtungen entstanden 1926 bis 1927. Der Kindergarten unterstützte Familien mit Kindern, während der vom Konsumverein Winterthur betriebene Laden Lebensmittel und Alltagswaren anbot. Der Konsumverein gehörte zur genossenschaftlich geprägten Konsumbewegung. Ziel war es, die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern und Waren zu fairen Preisen anzubieten. Die Idee war eng mit der Arbeiterbewegung und dem Genossenschaftsgedanken verbunden. Die zentrale Lage war bewusst geplant: Der Eigenheimweg führt direkt auf Kindergarten und Laden zu. Heute wird der ehemalige Ladenraum als Atelier genutzt. Beide Gebäude erinnern an die ursprüngliche Idee eines gemeinschaftlich geplanten Quartiers.

  12. 11Die Strassennamen und die HandwerksberufeEigenheimweg / Maurerweg

    Die Strassennamen der Selbsthilfe-Kolonie erinnern an die Handwerksberufe, die für die Entstehung und Nutzung der Siedlung eine wichtige Rolle spielten. Dazu gehören unter anderem Maurerweg, Schreinerweg, Glaserweg, Hafnerweg, Malerweg, Zimmererweg, Spenglerweg und Gipserweg. Ergänzt werden sie durch Namen wie Eigenheimweg und Schwimmbadweg. Viele zukünftige Bewohner waren Handwerkerfamilien und beteiligten sich mit rund 900 Arbeitsstunden am Aufbau des Quartiers. Die Namen bewahren einen Teil der sozialen und wirtschaftlichen Geschichte im öffentlichen Raum. 2026 kamen der Franz-Scheibler-Weg und der Adolf-Kellermüller-Weg als neue Bezeichnungen hinzu.

  13. 12Die Siedlung im Wandel und der DenkmalschutzMaurerweg

    Die Selbsthilfe-Kolonie wurde 2018 als Baudenkmal von überkommunaler Bedeutung inventarisiert. Sie zählt zu den wichtigsten Kleinhaussiedlungen des Kantons Zürich. Ihre Bedeutung liegt in der Architektur sowie in ihrer sozialen und wirtschaftlichen Geschichte. Im Laufe der Jahrzehnte wurden Häuser und Gärten verändert; unter anderem entstanden Parkplätze, Garagen und Carports. Der Denkmalschutz soll die charakteristische Anordnung der Häuser, die schlichten Fassaden, die bündig abschliessenden Dächer, die historischen Grundrisse und die Grünräume bewahren. Ziel ist es, die historische Substanz zu erhalten und gleichzeitig heutige Wohnbedürfnisse zu berücksichtigen.

  14. ZielOberer Deutweg

    Die Selbsthilfe-Kolonie erzählt von Zusammenhalt, Eigeninitiative und dem Wunsch nach einem bezahlbaren Zuhause. Auch heute noch prägen diese Ideen den besonderen Charakter des Quartiers.

Häufige Fragen zur Tour

Wie lange dauert die Tour „Eigenheimquartier“?

Die Tour umfasst 12 Stationen und dauert 1-1.5 Stunden. Du kannst jederzeit pausieren und in deinem eigenen Tempo weiterhören.

Wo startet die Tour „Eigenheimquartier“?

Der Rundgang beginnt bei Herzlich willkommen zum selbstständigen Quartierrundgang durch die Selbsthilfe-Kolonie in Winterthur! in Winterthur. Den genauen Startpunkt und alle Stationen findest du in der Karte der Audio-Tour.

Brauche ich Internet für die Audio-Tour?

Nein. Nach dem einmaligen Speichern der Audios funktioniert die Tour offline. Nur die Live-Karte von OpenStreetMap benötigt eine Internetverbindung.

Kann ich die Tour auch zu Hause hören?

Ja. Die Audios lassen sich überall abspielen. Optional kannst du die Wiedergabe in der App auf den Umkreis der Stationen beschränken.

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