Audio-Tour Winterthur

Paul von Moos Zeichnungsweg

Stadtrundgang mit Zeichnungen von Geschichten von Paul von Moos

51 Stadtbilder aus der Geschichte Winterthurs nach Paul von Moos. Paul von Moos (Maler, 1882–1969) war ein Schweizer Aquarellist, Maler und Illustrator aus Zürich, der später in Winterthur lebte und arbeitete. Der Rundgang startet am Hauptbahnhof, führt durch die Altstadt und die umliegenden Quartiere bis zum Beerenberg.

51
Stationen
2-3 Stunden
Dauer
Offline
nutzbar
Paul von Moos Zeichnungsweg – Audio-Tour durch Winterthur

Vom Hauptbahnhof zum Beerenberg

Der Zeichnungsweg startet am Hauptbahnhof und folgt Stadtbildern von Paul von Moos durch die Altstadt und die umliegenden Quartiere bis zum Beerenberg.

Start am Hauptbahnhof. Danach führen die Stationen in einem weiten Bogen durch die Altstadt.

Stationen der Tour

Der Rundgang in der Reihenfolge: Start, alle Stationen und das Ziel. Tippe auf einen Eintrag, um die Beschreibung zu lesen.

  1. StartHauptbahnhof

    Start am Hauptbahnhof Winterthur. Der Rundgang folgt Stadtbildern von Paul von Moos.

  2. 01Der HauptbahnhofSeite 74

    Der repräsentative Bau des Winterthurer Hauptbahnhofs entstand 1895 nach Plänen der Architekten Jung und Bridler. Sein Mittelbau erinnert an die Fassade einer doppeltürmigen Barockkirche. Die streng symmetrische Gestaltung, rustizierte Pilaster, Gesimse, kuppelgedeckte Seitentürme und ein geschweifter Uhrengiebel spiegeln das damalige Bedürfnis nach Repräsentation wider. Die Entwicklung des Eisenbahnverkehrs in Winterthur begann kurz nach der Eröffnung der Spanischbrötlibahn 1847. Ab 1855 entstanden Verbindungen nach Oerlikon, Romanshorn und Wil, später folgten Strecken nach Schaffhausen, Bauma, Etzwilen und Basel. Die ursprünglich privat betriebenen Bahnlinien gingen später in den Besitz der Eidgenossenschaft über und wurden Teil des Schweizerischen Bundesbahnnetzes.

  3. 02Untertor und Haus zum MaulbeerbaumSeite 11

    Das Haus zum Maulbeerbaum an der Untertorgasse wurde 1786 erbaut und war ursprünglich das Wohnhaus der Brüder Steiner. Später ging es in den Besitz der Familie Gamper über und beherbergte die Adlerapotheke. Nebenan stand das mittelalterliche Untertor, das 1867 abgebrochen wurde. Auch der Stadtgraben und die Gärten verschwanden im Zuge der baulichen Veränderungen. Die Tieferlegung der Eulach im Jahr 1912 veränderte das Ortsbild zusätzlich. Am unteren Ende der Marktgasse stand das Zeittor, auch Untertor genannt. Seine astronomische Uhr, 1529 vom Winterthurer Uhrmacher Laurentius Liechti geschaffen, zeigte neben der Zeit auch den Stand von Sonne und Mond. Trotz seiner Bedeutung wurde der markante Torturm 1871 abgebrochen.

  4. 03Werksschule von Gebrüder SulzerSeite 106

    Das Gebäudekonglomerat an der Ecke Zürcherstrasse und Rudolfstrasse nahe dem Bahnhof beherbergte die Werkschule der Gebrüder Sulzer AG. Der älteste Gebäudeteil stammt aus den 1830er-Jahren und war ursprünglich das Wohnhaus der Fabrikantenfamilie. 1834 wurde es im damaligen Tößfeld errichtet, wo im selben Jahr die Eisengießerei ihren Betrieb aufnahm. Aus dem kleinen Handwerksbetrieb entwickelte sich unter Johann Jakob und Salomon Sulzer ein bedeutendes Industrieunternehmen. Mit dem Ausbau des Maschinenbaus und der Herstellung von Dampfmaschinen, Motoren, Pumpen und Kältemaschinen wuchs die Firma stetig. Als das Fabrikareal erweitert wurde, trug man das Wohnhaus sorgfältig ab und baute es am heutigen Standort wieder auf. Heute dient es als Lehrlingsbüro und Unterrichtsgebäude.

  5. 04Schweizerische Lokomotiv- und MaschinenfabrikSeite 111

    Neue Aufgaben stellten sich mit der Elektrifikation der Schweizerischen Bundesbahnen und der Gotthardbahn. Bereits im Jahr 1899 hatte die Firma ihre Aufmerksamkeit dem Bau von elektrischen Lokomotiven für Zahnradbahnen zugewendet. Als ersten Auftrag führte sie eine solche Lokomotive für die Jungfraubahn aus. Das Jahr 1911 brachte die Fabrikation des mechanischen Teils der ersten Groß-Vollbahnlokomotive mit 2000 PS Leistung für die Lötschbergbahn. Fünf Jahre später gelangten die ersten elektrischen Lokomotiven für die Schweizerischen Bundesbahnen zur Ablieferung.

  6. 05Ausblick von der HochwachtSeite 156

    Westlich vom Heiligenberg steht das Stift Heiligenberg mit der St. Jakobskirche. Bis vor einigen Jahren stand auf der Hochwacht das Kanonenhäuschen. Das war ein kleines, hölzernes Gebäude, das mit Besen geladen versehen war. Bei Brandausbruch wurden diese Besen zum Alarmieren verwendet. Das Feuerwehrtelephon hat heute diese Aufgabe inne. Das Kanonenhäuschen ist verschwunden. An seiner Stelle befindet sich heute eine ruhige, gepflegte Aussichtswarte.

  7. 06Der BühlSeite 86

    Uralt ist die Turmhaldenstraße. Dieser Hohlweg stellt die kürzeste, aber auch die steilste Verbindung zwischen der Breite und der Altstadt Schaffhausens dar. Der Name Turmhalde verweist auf einen frühmittelalterlichen Burgturm. Dieser Turm stand auf dem Bühl östlich des genannten Hohlweges. Die Winterthurer nahmen ihn im Jahre 1264 ein und zerstörten ihn. Dies geschah in jener Zeit, als sich das Verhältnis zwischen der Stadt und ihrem Herrn, dem Grafen von Kyburg, aus verschiedenen Gründen getrübt hatte und eine offene Empörung gegen ihn ausbrach. In der Folgezeit wusste der Graf Rudolf von Habsburg, der Neffe des Kyburgers, den Streit in kluger Weise so zu schlichten, dass er die Winterthurer früh für sich gewann. Er verlieh ihnen am 22. Juni 1264 einen neuen Stadtrechtsbrief.

  8. 07Der SchanzengartenSeite 81

    Der Schanzengarten an der Büelrainstraße 15 in Winterthur entstand im 18. Jahrhundert als herrschaftlicher Landsitz. Seinen Namen verdankt er den ehemaligen Schanzenanlagen der Stadt. Er gehörte wohlhabenden Bürgern und entwickelte sich zu einem bedeutenden kulturellen Treffpunkt. Besonders unter Jakob Melchior Rieter-Biedermann gewann das Anwesen musikgeschichtliche Bedeutung: Der Musikverleger förderte Komponisten wie Schumann, Berlioz und Brahms. Johannes Brahms wohnte 1866 mehrere Wochen im Schanzengarten und arbeitete dort an seinem Deutschen Requiem. Das großzügige Gebäude mit seiner reich verzierten Stuckdecke zeugt bis heute von der Wohnkultur des 18. Jahrhunderts. Im Laufe der Zeit wurde das Grundstück verkleinert und das Haus in ein Mehrfamilienhaus umgewandelt.

  9. 08Die ObermühleSeite 96

    Oben bei der «Schleife» an der Tößtalstraße scheidet die «Stadtfalle» das Flüsschen in den eigentlichen Bach und in den Kanal, der parallel zum «Stadtfallenweg» in munterem Lauf dahinströmt. Dieses Stück Kanal mutet noch recht idyllisch an, geben ihm doch Bäume und Sträucher, die dicht am Wasser stehen, ein besonderes Gepräge. Würde das Wasser nicht zuweilen von den Abläufen der «Schleife» arg verfärbt, und lägen im Kanalbett nicht allerlei Dinge, die man lieber im Kehrichtwagen versorgt wüsste, wahrlich, dann dürfte man diese Kanalstrecke als reizvoll und lieblich bezeichnen. Schon gleich unterhalb der Brücke wird das Eulachwasser durch den Engpass zwischen dem wuchtigen Gebäude der «Obermühle» und der Säge gezwängt.

  10. 09Fabrikpartie der SchleifeSeite 101

    Im Laufe der Jahrhunderte siedelten sich an der Eulach außer den Mühlen auch noch andere Betriebe an. Dazu zählte die sogenannte obere Schleife, ein kleines, bescheidenes Werk, mit dem noch eine Hammerschmiede verbunden war. Eine Darstellung aus dem siebzehnten Jahrhundert lässt diese obere Schleife erkennen. Sie stand da, wo heute die Palmstraße von der Tößtalstraße abzweigt, gleich oberhalb des ausgedehnten Adlergartens. Der Besitzer dieses schönen Landgutes, Johann Jakob Sulzer, zum Adler am Obertor, der Sohn des Arztes Hans Heinrich Sulzer, richtete in der Schleife unter der Firma Sulzer und Steiner eine Türkischrotfärberei und Druckerei ein. Wie wir aus der im Jahre neunzehnhundertfünfundvierzig erschienenen Jubiläumsschrift Hundert Jahre Weber-Ausrüstung erfahren, die von Dr. phil.

  11. 10Der AdlergartenSeite 78

    Der Adlergarten stammt aus den Jahren 1812 bis 1815. Johann Jakob Sulzer zum Adler am Obertor, geboren 1773, der Sohn des Arztes Hans Heinrich Sulzer, erwarb sich im Wiesen- und Püntenland der Gänselweid ein Areal. Die Gänselweid war einst Weide für die Gänse und heißt heute Geiselweid. Dieses Areal weitete er nach und nach zu einem wohlabgerundeten, umfangreichen Besitztum aus. Als erstes Gebäude ließ er den kleinen Pavillon im klassizistischen Stil erstellen. Dieser Pavillon ist heute noch erhalten. In der Nähe der «Schleife» betrieb Sulzer gemeinsam mit Diethelm Steiner eine Rotfärberei. Solche Rotfärbereien wurden damals an vielen Orten errichtet. In ihnen fand der aus dem Kamin gewonnene rote Farbstoff Verwendung.

  12. 11Die PflanzschuleSeite 84

    Als um die siebziger Jahre des achtzehnten Jahrhunderts der reiche Winterthurer Bürger Hans Heinrich Biedermann im freien, sonnigen Gelände östlich der Altstadt zwischen Römerstraße und Lindberg sein herrschaftliches Landhaus erbauen ließ, konnte man ihm nicht vorwerfen, nach kleinbürgerlichen Grundsätzen geplant zu haben. Offenbar beeindruckt von der Großzügigkeit, mit der in Frankreich vor der Revolution die Aristokratie ihre Baupläne zur Ausführung brachte, wollte auch der genannte Winterthurer Bauherr vorgehen. Er sicherte sich ein weites Gebiet in der schönsten Lage. Darin ließ er ein vornehmes Herrschaftshaus erbauen. Dahinter, in einiger Entfernung, ließ er ein ebenfalls massives Pächterhaus mit Scheune und Stallung erbauen.

  13. 12Blick auf WinterthurSeite 49

    Der Lindberg kann sich rühmen, die ganze weite Talfläche zu beherrschen, in der Winterthur mit den angegliederten Vororten liegt. Dafür ist aber der Blick von der Hochwacht auf die zu Füßen liegende Altstadt näher und intimer. Da ragen sie empor, die warmbraunen Dächer der eng beisammenstehenden Häuser. Sie sind nicht einförmig und gleichgeschaltet. Nein, jedes trägt seine Eigenart zur Schau, und doch bilden sie eine Einheit. Und mitten aus dem Dächergewirr steigt die altehrwürdige, währschafte Stadtkirche mit dem hohen Dache und den beiden rotbehelmten barocken Türmen auf. Hinter dem trauten Altstadtbild zieht sich in ruhiger Linienführung der Lindberg dahin und bildet einen lieblichen Abschluss. Ganz nahe stehen die dunkle Hofstadlerscheune und der spitzgiebelige Wollenhof.

  14. 13Alte Trotte zum RychenbergSeite 157

    Alte Trotte zum Rychenberg, einst habe jeder Bürger ein Stück Rebland besessen. Es war keine leichte Arbeit, die Weinreben an den steilen Abhängen zu pflegen. Umso größer war dann die Freude, wenn im Herbst ein reicher Traubensegen die Mühen des Winzers lohnte. Von der früheren Rebherrlichkeit sind nur noch bescheidene Reste übriggeblieben. An manche berühmte Weinlage erinnert nur noch der Flurname. Auch von den unzählig vielen freundlichen Rebhäuschen sind die meisten verschwunden. Nur noch wenige konnten sich bis auf unsere Tage erhalten. Dem Studium der Flurnamen im Rebgebiet des Lindberges ist Dr. Alfred Ziegler mit großer Sorgfalt nachgegangen. Vom Süsenberg sagt er, dass darin der alt-alemannische Personenname Suso enthalten sei, ähnlich wie Rychenberg von Rich oder Ric herstamme.

  15. 14Das Haus zur RappenhaldeSeite 90

    Von der Sonne gebräunt, vom Wetter gezeichnet und efeuumsponnen steht es da an der Rychenbergstraße, das alte Rebhaus, am unteren Ende eines währschaften Rebareals, das sich hier noch weit hangaufwärts zieht. Rappenhalde heißt die Örtlichkeit, und der Name soll daher kommen, daß dort früher ein häufiger Sammelplatz von Krähen gewesen sei. Rappe sei die alte Form für Rabe, der im Volksglauben eine bedeutende Rolle spielte, schreibt Dr. A. Ziegler in seiner Publikation über die geographischen und topographischen Namen von Winterthur. Zusammensetzungen mit Rappe sind zahlreich, zum Beispiel Rappenstein, Rappenfluh und Rappenholz. Liegt vielleicht die Ursache für die Namengebung der Rappenhalde darin, daß unten am Fuße des Lindbergs, in der Gegend der Grüze, die Richtstätte lag?

  16. 15KantonsschuleSeite 164

    In schönster, etwas erhöhter Lage am Fuße des Lindberges steht die Kantonsschule. Im Lee heißt die Örtlichkeit. Hier stand auch eine behäbige Trotte, die sogenannte Lee-Trotte. Der wuchtige, langgestreckte Kantonsschulbau mit seinem ihm vorgelagerten Turn- und Spielplatz ist ein Werk der Zürcher Architekten Gebrüder Pfister aus der Zeit von 1926 bis 1928. Er stellt einen vorläufigen, markanten Schlusspunkt in der langen Entwicklungsreihe der Winterthurer höheren Schulen dar, einer Zeitspanne, die vor die Reformation zurückgreift und mit der damaligen Lateinschule ihren Anfang nimmt. Einen Markstein in der Geschichte des Winterthurer Schulwesens bildete der Bau des Knabenschulhauses an der Hintergasse, heute Steinberggasse, das am 6.

  17. 16Ehemalige Spinnerei RosentalSeite 121

    Eine Zeitlang brauchte er das Wasser zu einer Weißgerben-Walki. Weißgerber nannte man diejenigen Gerber, die Tierhäute und Felle mit bestimmten Mitteln behandelten, um sie so zu feinen Ledersorten zu verarbeiten. In einer Walke wurde Wollgewebe durch allerlei Prozeduren, wie Klopfen, Hämmern und Schlagen, erst verwendbar gemacht. Durch einen schmalen Kanal floss das Wasser des Walkeweihers auf das Wasserrad der Sulzerschen Walke im Rosental und setzte das Hammer- oder Klopfwerk in Bewegung. Später verlegte sich Sulzer jedoch auf das Pulvermachen und richtete statt der Walke eine Pulverstampfi ein. Dabei scheint er aber nicht auf seine Rechnung gekommen zu sein, da er bald sein gefährliches Gewerbe aufgab und die Wasserkraft für eine Lohstampfi verwendete.

  18. 17Brauerei HaldengutSeite 159

    Oberhalb der Brauerei Haldengut steht in sonniger, aussichtsreicher Lage, ganz in der Nähe des Waldes, das Krankenhaus am Lindberg. Über seine Gründung im Jahre 1906 vernehmen wir aus dem 1932 erschienenen Jubiläumsbericht, dass das damals schon vortrefflich geführte Kantonsspital nicht allen Bedürfnissen zu entsprechen vermochte. Es standen ihm nur zwei Privatzimmer zur Verfügung. Die Kinderabteilung war ungenügend. Es fehlte eine Wöchnerinnen-Abteilung. Wer sich von seinem Hausarzt oder bei Augen- oder Ohrenoperationen von einem Spezialisten behandeln lassen wollte, hatte hierzu keine Möglichkeit. Dazu kam, dass viele Patienten sich vor den großen Sälen scheuten und überhaupt ein Haus mit kleinerem Betrieb vorzogen.

  19. 18Das MuseumSeite 59

    Der Temporärsaal im Erdgeschoss bietet Gelegenheit zu stets wechselnden Ausstellungen. Das graphische Kabinett im ersten Stock ist mit seinen zahlreichen Vitrinen sehr gut zur Schaustellung von Zeichnungen, Aquarellen und graphischen Blättern geeignet. Einen ganz bedeutenden Raumanteil am Museum beansprucht die Stadtbibliothek. Sie verfügt heute neben anderen Räumlichkeiten über eine zweckmäßige Magazinierung der Bücher, über einen geräumigen, freundlichen Lesesaal, über zwei bequeme Katalogräume und einen Bücherausgabeschalter. Hier herrscht, wie Dr. E. Dejung, unser Stadtbibliothekar, einmal schrieb, kein weltabgewandtes, geruhsames Leben. Gestört zu werden, gehört zum Beruf des Bibliothekars, der daneben immer wieder Zeit finden muss für seine vielen Geschäfte.

  20. 19Stiftung Dr. Oskar ReinhartSeite 61

    Das Gebäude, das heute die berühmte Sammlung der Stiftung Oskar Reinhart enthält, wurde als Knabenschulhaus in den Jahren 1838 bis 1842 nach den Plänen des Zürcher Architekten Leonhard Zeugheer erbaut. Es war neben dem nachher errichteten Stadthaus eines der schönsten und ehrwürdigsten Gebäude der Stadt. Es barg neben den Räumen für die höheren Stadtschulen bis 1915 auch die Stadtbibliothek und die naturwissenschaftlichen Sammlungen. Nachdem das neue Museums- und Bibliotheksgebäude erbaut worden war, diente das alte Museum ganz den Unterrichtszwecken von Gymnasium und Industrieschule. Im Jahr 1928 zogen diese ins neuerbaute Kantonsschulgebäude am Lindberg um. Nun folgte für den vernachlässigten, im Äußeren so vornehm erscheinenden Bau eine Zeit der Demütigung.

  21. 20Das WaaghausSeite 63

    Hätte unsere Marktgasse eine größere Breite, so würde das altehrwürdige Gebäude viel eindrücklicher in Erscheinung treten. Im Erdgeschoss beherbergt es heute den Lesesaal mit der Volksbibliothek. Man könnte dann eher erkennen, welch wohlproportionierte Fassade ihm eigen ist. Das Bauwerk mit den vier Spitzbogen in seiner unteren Partie war einst als Neuhaus oder Waaghaus wohlbekannt. Über seine Baugeschichte liegen wenige urkundliche Angaben vor. Sicher ist, dass an seiner Stelle zwei ältere Gebäude standen. Das eine davon gehörte zum alten Spital, das damals am Markt stand. Der Winterthurer Chronist Johann Jakob Goldschmid lebte von siebzehnhundertfünfzehn bis siebzehnhundertneunundsechzig. Er war ein wohlhabender Gerber und wohnte im Hause zum Tiergarten an der Marktgasse.

  22. 21Das RathausSeite 56

    Der Wichtigkeit des Marktes entsprechend standen hier die bedeutenderen öffentlichen Gebäude, allen voran das Rathaus. Schon im Jahr 1423 wird ein solches erwähnt, und 1435 wurde sein Neubau beschlossen. Bis zum Übergang der Stadt Winterthur an Zürich im Jahr 1467 zierten die Fassade das österreichische Wappen und die Buchstaben A E I O U. Diese Buchstaben stehen für den lateinischen Satz Austriae est imperare orbi universo. Das bedeutet so viel wie: Österreichs Macht reicht über die ganze Erde. Es kann auch bedeuten: Alles Erdreich ist Österreich untertan. Im Jahr 1664 erfolgte wieder ein Umbau. Neben den Ratssälen enthielt das Gebäude die Bürgerbibliothek. Seit 1715 kam ferner der Musiksaal hinzu, außerdem Kornböden, die Stadtwache und anderes.

  23. 22Das Haus zur oberen ApothekeSeite 44

    Es ist an anderer Stelle schon berichtet worden, dass die Marktgasse einst das eigentliche Herz der Stadt war. Hier wickelte sich der größte Teil des öffentlichen Lebens ab. Dort vollzog sich auch der Durchgangsverkehr aus der Ostschweiz nach Zürich. Marktgasse oder kurzweg Markt hieß aber nur der breite Teil der Gasse von der Ober- zur Metzggasse. Er teilte sich noch in den oberen, mittleren und unteren Markt. Das schmale Stück von der Oberstube am Graben bis zur Obergasse war unter der Bezeichnung Im silbernen Winkel bekannt. Der untere schmale Gassenteil von der Krone bis zum Zeit hieß der goldene Winkel. Als die oberen und unteren Bogen verschwanden, verschwanden auch diese Namen. Ein Haus an der Marktgasse zu besitzen, galt als besondere Ehre.

  24. 23Eingang in den RettenbachwegSeite 39

    Woher die Bezeichnung Rettenbach kommt, ist schwer zu sagen. Obwohl der Bach sehr viel dazu beitrug, bei Feuersbrünsten zu löschen, zu helfen und zu retten, so ist die Verwandtschaft mit dem Wort retten wohl nicht wahrscheinlich. Am Rettenbach lag übrigens die obere Badstube. Daher kommt der Name Badgasse, als Schwester der Rettenbachgasse. Dort befindet sich der Eingang in den Rettenbachweg.

  25. 24Der Obere BogenSeite 16

    Östlich an den Oberen Bogen angeschlossen stand breit und behäbig die alte Stadtkanzlei. Dieses Gebäude war ursprünglich im Besitze des Rittergeschlechts von Hinwil. Der Letzte dieses Geschlechtes war Hans Ulrich von Hinwil, der von 1540 bis 1588 lebte. Er erhielt von seiner Mutter Beatrix von Hohenlandenberg deren kyburgische Lehen um Winterthur. Diese Lehen verwaltete er dann unter der Bezeichnung Hinwiler Amt. Das Haus neben der Oberstube behielt weiterhin seinen Namen Hinwilerhaus bei. Um das Jahr 1655 brachte man die Stadtbibliothek darin unter. Später kam auch die Postfiliale hinzu. Von 1905 bis 1950 enthielt es die Postfiliale. Von 1950 bis 1952 erfolgte der Umbau zur Raiffeisenkasse, Filiale Graben. Diese wurde später an die Stadt verkauft.

  26. 25Das StadthausSeite 54

    Das Stadthaus darf auch heute noch als das Wahrzeichen von Winterthur angesehen werden. Es zeugt vom aufgeschlossenen Sinn für das Großzügige und vom weitschauenden Blick unserer Vorfahren, dass sie sich entschlossen, dieses monumentale Gebäude für die Stadtverwaltung zu erbauen. Nicht lange vorher hatten die Bürger mit der alten Stadtbefestigung vollständig aufgeräumt. Sie ließen den Stadtgraben eindecken und legten an seiner Stelle breite Straßen an. Die alten Tore und Befestigungen zeigten sich auch äußerlich als Zeugen der früheren Stadt, die jahrhundertelang unter der Vormundschaft Zürichs gestanden hatte. Sie wichen den einheitlicheren politischen Verhältnissen. Über die Gründe, die zum Bau des neuen Verwaltungsgebäudes außerhalb des alten Stadtkerns führten, erfahren wir Folgendes.

  27. 26Verwaltungsgebäude der Unfallversicherungs-Gesellschaft WinterthurSeite 135

    Die Unfallversicherungsgesellschaft Winterthur entstand auf Grundlage des Bundesgesetzes über die Haftpflicht der Eisenbahn- und Dampfschiffunternehmungen. Ihr Verwaltungsgebäude stand ursprünglich im Lind, am Standort des heutigen Bezirksgebäudes. Schon früh dehnte die Gesellschaft ihre Tätigkeit ins Ausland aus. Der Erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit brachten grosse wirtschaftliche Schwierigkeiten. Auch die Übertragung des Arbeiterversicherungsgeschäfts an die Suva belastete das Unternehmen. 1923 wurde die Winterthur Lebensversicherungsgesellschaft gegründet. Neben der Unfallversicherung kamen weitere Bereiche wie Einbruchdiebstahl- und Kautionsversicherungen hinzu. Die Lebensversicherung entwickelte sich ebenfalls zu einem wichtigen Geschäftsfeld.

  28. 27LindengutSeite 117

    Dadurch gelangte er in die wichtige Stellung eines Kurfürstlich-bayrischen Kommissärs für den Salzhandel im Lindengut. Der Landesfürst ehrte seinen hochangesehenen Salinendirektor dadurch, dass er ihm 1785 den Rang und Titel eines wirklichen Hofkammerrates und zugleich den eines Salinen-Oberkommissärs zuerkannte. Ämter von solch hohem Rang waren mit dem persönlichen Adelstitel verbunden. Deshalb redeten ihn Private wie auch schweizerische Behörden fortan als Herr von Clais an. Da er ferner Inhaber des Maria-Theresia-Ordens war, wäre seine Erhebung in den Adelsstand begreiflich, obschon kein schriftlicher Beweis dafür vorliegt.

  29. 28Das Schwert mit den Überresten des ObertorsSeite 18

    Das Schwert mit den Überresten des Obertors im Jahr 1895. Im Jahr 1864 musste das stattliche Obertor abgebrochen werden. Zuvor hatte man bereits den Stadtgraben ausgefüllt. Da damals ein Vertrag mit der Besitzerin der Liegenschaft zum Schwert nicht zustande kam, mussten diejenigen Teile des Tores, die ans Schwert angrenzten, stehen gelassen werden. Die Folge davon war, dass noch bis zum Eidgenössischen Schützenfest von 1895 in Winterthur eine Mauerruine übrig blieb. Erst dann konnte sie entfernt werden.

  30. 29Das ObertorSeite 17

    Die Zeichnung zeigt uns den Zustand des Obertors und seiner nächsten Umgebung um das Jahr 1800. Wir sehen rechts das behäbige Gasthaus zum Schwert. An dessen Stelle steht heute das Geschäftshaus Schwert. Von allen Winterthurer Stadttoren soll das Obertor am wichtigsten gewesen sein. Es erfuhr im Laufe der Jahrhunderte die stärkste Veränderung seines Aussehens. Das im Jahr 1340 erbaute Tor bestand anfänglich nur aus einem einfachen Turm mit hohem Rundbogen. Die An- und Vorbauten kamen erst später hinzu. Da der Hauptverkehr von St. Gallen und vom Bodensee her durch das Obertor erfolgte, waren auch hier die Zolleinnahmen am bedeutendsten. Sie sollen mehr als die Hälfte der gesamten Zollgebühren betragen haben.

  31. 30Das Haus zum «Adler»Seite 67

    Welcher reiche Winterthurer hat sich wohl dieses repräsentative Haus am Obertor erbauen lassen? Bevor wir diese Frage beantworten, wollen wir uns in Gedanken noch einige Jahrhunderte zurückversetzen. Da erfahren wir, dass an der gleichen Stelle von 1180 bis 1486 der Pfarrhof stand. Hier wohnte also der Pfarrer. Nachdem dann das Pfarrhaus bei der Stadtkirche erbaut worden war, kam der ehemalige Kirchherrenhof in bürgerlichen Besitz. Das betraf das Haus samt den dahinter liegenden Nebengebäuden. Im Jahre 1617 ging das Besitztum an Hans Ulrich Sulzer über. Ein Nachkomme von ihm, Dr. med. Hans Heinrich Sulzer, lebte von 1735 bis 1814. Er ließ nun ziemlich sicher den stattlichen Neubau um 1763 bis 1764 erstellen.

  32. 31NeustadtgasseSeite 37

    Dass die Neustadt später erbaut worden ist als die mittlere Altstadt, ersehen wir aus ihrer etwas lockeren Struktur. Ein Plan aus der Mitte des 18. Jahrhunderts zeigt in der Neustadt noch viele Bauten, die nicht zu Wohnzwecken dienten. Es waren Scheunen, Ställe, Schuppen und dergleichen. Unser Bild lässt einen Blick tun in den südlichen Teil der Neustadtgasse. Diese wird hier vom hohen Haus mit der Riegelwand beherrscht. Die Häuser unserer Stadt waren einst durchwegs Riegel- oder Fachwerkbauten. Schade, dass die Straßenfassade des erwähnten Hauses durch einen späteren Umbau an Wirkung stark verloren hat. Das niedrige, sich an die Riegelwand lehnende, breite Gebäude hat seine frühere Art als leicht gebauter Scheunen- und Stallbau erhalten.

  33. 32Die obere BadstubeSeite 104

    Die Badgasse, die Verbindung von Platanenstraße und Graben, trägt ihren Namen von altersher. Hier stand nämlich die sogenannte obere Badstube, ein Gebäudekomplex, der aus einem großen Badhause mit Wirtschaft und Nebengebäuden, Scheune und Stall bestand. Davon ist das Badhaus noch erhalten. Es ist das große Gebäude gleich hinter der alkoholfreien Wirtschaft «Herkules». Dieses Badhaus enthielt einst vier Badkammern mit achtundzwanzig Bad- und Schwitzständen. Außerdem gab es einen Speisesaal, dreizehn Zimmer, zwei Küchen und einen großen Weinkeller. An die frühere Zweckbestimmung erinnern zum Beispiel im Erdgeschoß des alten Gebäudes noch die Aufschriften an den Badkammertüren. Auch einige marmorne Badewannen im angrenzenden Garten erinnern daran.

  34. 33Die alte Kaserne von Osten gesehenSeite 65

    Welch ruhige Ecke war das, als die alte Kaserne noch nicht stand und an ihrer Stelle der Holderweiher sich ausdehnte. Da erhob sich auch der Judasturm, einfach Judas genannt. Es war ein Befestigungsturm, der als Gefängnis diente, und zwar namentlich als Untersuchungsgefängnis. Deshalb war er reichlich mit Folterwerkzeug ausgestattet. In den 1760er Jahren begann man, die während des Dreißigjährigen Krieges angelegten Schanzen, die zur erweiterten Stadtbefestigung gehörten, zu beseitigen. Zuerst ebnete man diejenigen vor dem Steigtor ein. Sodann wurde die Zugbrücke im Holdertor entfernt und der Graben zwischen diesem Tor und dem Hexentürmli ausgefüllt. Der Grund für die Ausfüllung des Grabens, der sich gegen das Holdertor zum Holderweiher verbreiterte, lag darin, dass man hier das Baumagazin erstellte, die heutige alte Kaserne.

  35. 34Das Holdertor von innenSeite 23

    Da, wo heute in großer Breite der Holderplatz als Verbindung zwischen Graben und oberer Technikumstraße liegt, stand einst das Holdertor. Es war aber nicht, wie Ober- und Untertor sowie das Schmidtor, Mündung einer wichtigen Verkehrsstraße, sondern diente hauptsächlich dem Lokalverkehr. Das ist leicht erklärlich, war es doch ein Stadttor, das seine Entstehung erst jener späteren Zeit verdankte, als Winterthur sich durch Anfügung der unteren und der oberen Vorstadt sowie der Neustadt vergrößert hatte. Nicht umsonst trägt der Graben diesen Namen, war doch die Stadt in ihrer kleinsten Ausdehnung hier zu Ende. Die Stadterweiterung nach Osten hatte zur Folge, dass der frühere Graben nun ins Innere des befestigten Ortes zu liegen kam und noch lange unausgefüllt blieb.

  36. 35Geschäftshaus Zum LenzengrabenSeite 131

    Das Geschäftshaus Zum Lenzengraben war Sitz der Firma Paul Reinhart und Compagnie. Das Handelshaus wurde 1788 von Johann Kaspar Geilinger und Christoph Blum unter dem Namen Geilinger und Blum gegründet. Ab 1823 lag die Geschäftsführung vollständig in den Händen der Familie Reinhart. Das Unternehmen spezialisierte sich auf den internationalen Rohstoffhandel und unterhielt Geschäftsbeziehungen in Europa, Afrika, Asien und Amerika. Besonders bedeutend war der Handel mit ägyptischer Baumwolle. Mit zahlreichen Tochtergesellschaften, unter anderem in New York, São Paulo, Buenos Aires und London, entwickelte sich die Firma zu einem weltweit vernetzten Handelshaus. Die enge Verbindung zu internationalen Niederlassungen prägte ihre wirtschaftliche Bedeutung für Winterthur.

  37. 36Das TechnikumSeite 73

    Das Technikum Winterthur wurde am 5. Mai 1874 von Friedrich Autenheimer als erste technische Fachschule der Schweiz gegründet. Die Stadt hat das Technikum. Unser Tech, so heißt es im Schülerjargon, kann auf ein stattliches Bestehen zurückblicken. Es ist also eine lange Geschichte. Später folgten andere Umbauten, so der Einbau eines Erfrischungsraumes in den Südteil des Hauptgebäudes. Ziel der Ausbildung am Technikum ist es, eine Bildung mit wissenschaftlicher Grundlage zu vermitteln, welche zu selbstständiger Tätigkeit in höheren technischen Berufen befähigt.

  38. 37Der alte Befestigungsturm an der TechnikumstraßeSeite 26

    Auf früheren Darstellungen unserer Stadt, zum Beispiel auf dem Stich von 1642, den der Basler Matthäus Merian der Ältere ausgeführt hat und der Winterthur von Süden her zeigt, ist der eingangs erwähnte und heute noch erhaltene Befestigungsturm nicht halbrund, sondern auf viereckigem Grundriss dargestellt. Einhundertzehn Jahre später, auf der Darstellung von Johann Ulrich Schellenberg aus dem Jahr 1752, erscheint er bereits in der heutigen Grundform. Das heißt, er ist halbrund und tritt über die Mauerflucht vor. Es muss deshalb zwischen 1642 und 1752 ein Umbau erfolgt sein. Ein Eintrag in den Ratsprotokollen besagt, dass im Jahre 1726 dem Hans Georg Steiner zum Steinberg erlaubt wurde, den alten runden Turm auszusäubern, zu verbessern und auf eigene Kosten zu bauen.

  39. 38Florabrunnen beim TechnikumSeite 41

    Der Florabrunnen, auch Fortunabrunnen genannt, wurde 1580 errichtet und gehört zu den sieben alten Brunnen Winterthurs. Ende des 18. Jahrhunderts wurde er erneuert und erhielt seine heutige Gestalt. Von 1871 bis 1983 stand er an der Technikumstrasse. Nach der Ausebnung des Obertors kehrte er 1983 an seinen ursprünglichen Standort zurück. Zusammen mit dem Justitia-Brunnen steht er heute wie eine Schildwache vor dem Technikum und prägt das historische Stadtbild.

  40. 39Blick in die SteiggasseSeite 19

    Wir stehen an der unteren Turmhaldenstraße. Diese führt zwischen Bühl und Hochwacht zur Breite empor. Das Haus links mit dem von einer Säule gestützten Erkervorbau ist der alte Wollenhof. Er wurde im Jahr 1718 erbaut. Wir blicken gegen die schmale Steiggasse. Im Hintergrund sind die Spitzen der Stadtkirchtürme zu sehen. Die Ecklisenen der beiden Häuser am Beginn der Gasse markierten den Eintritt in das Stadtinnere. Ursprünglich verlief die Zürichstraße von Brütten her am Vogelsang vorbei über die Breite und zweigte hier nach Norden ab. Sie führte die Steig hinunter, die heutige Turmhaldenstraße, und an der Steigmühle vorüber, die heute eine Wirtschaft ist, um die Stadt zu erreichen. Als um die Mitte des 14.

  41. 40Durchgang von der Steinberggasse zur TechnikumstraßeSeite 28

    Früher bestand an dieser Stelle kein Ausgang aus der Stadt. Die Stadt war hier abgeschlossen. Das kurze Gassenstück von der Steinberggasse her hieß im Winkel. Es mag in diesem Winkel zuzeiten wohl ein feuchtes Halbdunkel geherrscht haben, da die Sonnenstrahlen fast keinen Zutritt fanden. Das Gebäude, das jetzt durch den Durchgang untertunnelt ist, war früher eine der drei Winterthurer Handwerkerstuben. Im Neujahrsblatt der Stadtbibliothek auf das Jahr 1946 hat der polnische Hauptmann Marek Rozycki das Handwerkerwesen unserer Stadt in früherer Zeit dargestellt. Er war als Internierter dem polnischen Hochschullager in Winterthur zugeteilt und stützte sich auf ein eingehendes Quellenstudium.

  42. 41Ecke Steinberg/SteiggasseSeite 36

    Die Gebäudegruppe, die hier in der Zeichnung dargestellt und durch einen Neubau verändert worden ist, war einst eine Bäckerei mit einer Wirtschaft. Die Häuserreihe längs der Seitengasse hat man pietätvoll erhalten. Über einer Seitentüre des Neubaues hat man sie angebracht.

  43. 42An der unteren SteinberggasseSeite 34

    Diese Gasse hieß früher Niedergasse. Das hatte seinen guten Grund, war sie doch das Gegenstück der Obergasse. Übrigens war der Name Steinberggasse unbekannt. Sie wurde von der Ober- bis zur Steiggasse Hintergasse genannt. Das bedeutete aber nicht, dass sie ein Stadtteil von minderen Rechten oder geringerer Wertschätzung war. Hier wohnten ebenfalls tüchtige Leute. Es sei nur an die Sulzer zum Tiger erinnert, an die Ziegler zum Steinberg und an diejenige Familie, die den ersten schweizerischen Bundespräsidenten hervorgebracht hat, Dr. Jonas Furrer. Auch das Pfarrhaus steht an dieser Gasse. Früher war auch das Knabenschulhaus hier. Heute befindet sich dort ein städtisches Installationsgeschäft für Gas und Wasser.

  44. 43Am KirchplatzSeite 30

    Am Kirchplatz hieß er früher einfach Platz. Wohl deshalb, weil im ältesten Winterthur sonst kein eigentlicher Platz vorhanden war. Der Neumarkt kam erst später zur Stadt, als die untere und die obere Vorstadt sowie die Neustadt in das umwallte und von der Stadtmauer umgebene Gebiet einbezogen wurden. Der Platz war ja auch der Friedhof, wo in nächster Nähe der Stadt- oder Laurenzenkirche die Verstorbenen ihre letzte Ruhestätte fanden. Dieser Kirchhof war sicherlich ein Ort der Ruhe und der Weihe. Und doch musste im Jahre 1726 der Pfarrkonvent dagegen Stellung nehmen, dass man Pferde auf dem Friedhof weiden ließ. Im Jahre 1796 musste sogar ein Verbot dagegen erlassen werden, Geflügel auf dem Friedhof laufen zu lassen.

  45. 44Stadtkirche von Westen mit dem alten GemsbergSeite 45

    Der Platz war ja auch der Friedhof, wo in nächster Nähe der Stadt- oder Laurenzenkirche die Verstorbenen ihre letzte Ruhestätte fanden. Dieser Kirchhof war sicherlich ein Ort der Ruhe und der Weihe. Und doch musste im Jahre 1726 der Pfarrkonvent dagegen Stellung nehmen, dass man Pferde auf dem Friedhof weiden ließ. Im Jahre 1796 musste sogar ein Verbot dagegen erlassen werden, Geflügel auf dem Friedhof laufen zu lassen. Ebenso wurde verboten, mit leeren Karren oder Bännen über den Friedhof zu fahren. Auch das Benützen des Friedhofs als Spielplatz wurde untersagt. Daraus könne geschlossen werden, meint der Verfasser der Geschichte der Stadtkirche Winterthur im zweiten Teil, Pfarrer Hermann Walser, dass die Achtung vor Begräbnisstätten im Volksbewusstsein abgenommen habe.

  46. 45Blick in die obere KirchgasseSeite 33

    Die Winterthurer Altstadt weist noch manches hübsche Gassenbild auf. In dieser Hinsicht ist namentlich die Umgebung der Stadtkirche bemerkenswert. Der Blick in die obere Kirchgasse, den die hier beigefügte Zeichnung wiedergibt, geht aus der Weite und freundlichen Helle des Kirchplatzes in die schluchtartige Enge der schmalen Gasse. Doch es dünkt uns, die Helligkeit und die Weite des Platzes würden noch tief in sie hineindringen und ihr das Düstere nehmen. Das Düstere, das zum Beispiel viele zürcherische Altstadtgassen an sich haben. Und kaum ist man beim Durchschreiten des kurzen Gäßchens in dessen Mitte angelangt, so spürt und sieht man schon das mächtig pulsierende Leben der Marktgasse. Unsere obere Kirchgasse, der nördliche Abschnitt, ist vergleichbar einem ruhig dahinfließenden Bache.

  47. 46Das Bürgerheim am NeumarktSeite 69

    Das Hauptgebäude am Neumarkt entstand zwischen 1807 und 1814 nach einem Beschluss der Bürgerversammlung von 1806. Es besticht durch seine edlen klassizistischen Formen. Ursprünglich diente es als Anstalt für Waisenkinder, Kranke, ältere und gebrechliche Menschen. Da diese gemeinsame Unterbringung später als unpassend galt, erhielt das Waisenhaus 1876 einen neuen Standort an der Tösstalstrasse. 1874 wurde ausserhalb der Stadt ein eigenes Krankenhaus eröffnet, das 1886 vom Kanton übernommen und zum Kantonsspital ausgebaut wurde. Das Gebäude am Neumarkt dient heute als städtisches Altersheim. An seine ursprüngliche Funktion erinnert nur noch der Name Bürgerheim.

  48. 47Das ZeittorSeite 15

    Dieses Stadttor wurde auch Grabentor genannt. Es sprang über die Häuserflucht in die Grabengasse vor. Die Grabengasse war der einstige Stadtgraben. Das Tor wies drei Durchgänge auf. Der mittlere Durchgang war für den Fuhrwerkverkehr bestimmt. Die seitlichen Durchgänge waren für die Fußgänger vorgesehen. Da das Tor seine frühere Funktion als Obertor verloren hatte, kam ihm eine andere Bestimmung zu. Als Oberstube war es ein beliebter Versammlungsort der Bürger. Im Jahr 1564 erhielt der Bau zum Schmuck ein Glockentürmchen und eine Uhr. Die Uhr wurde von Laurentius Liechtis Sohn Ulrich erstellt. Fortan hieß der Obere Bogen auch Oberes Zeit. Mit seinem Abbruch im Jahre 1871 verlor die Altstadt ein währschaftes Denkmal alter Baukunst.

  49. 48Das SchmidtorSeite 21

    Unter den Winterthurer Toren zeichnete sich das Schmidtor durch seine Wucht aus. Es soll zusammen mit dem Obertor und dem Untertor um 1340 neu und in besonders fester Bauart erstellt worden sein. Sein Standort ist leicht zu ermitteln, weist doch die heutige Schmidgasse darauf hin. Es erhob sich nämlich da, wo diese Gasse in die Stadthausstraße ausmündet. Das Schmidtor ragte weit über die Flucht der Stadtmauer in den Stadtgraben vor, der sich damals an Stelle der Stadthausstraße hinzog. Mit seinem hölzernen Oberbau, der den gemauerten Teil überragte, erhob es sich hoch über die Mauer empor. Dem scheinbar soliden Torturm widerfuhr am Ende des 17. Jahrhunderts ein böses Schicksal.

  50. 49Das BarockhäuschenSeite 91

    Da, wo heute der weiträumige, gepflegte Stadtgarten sich ausdehnt, lagen einst jenseits des Stadtgrabens die Privatgärten der Winterthurer Bürger. Sie lagen in zum Teil schmalen Streifen dicht aneinandergereiht. Diese Gärten ermöglichten ihren Besitzern, der engen Stadt wenigstens zeitweise zu entfliehen. Hier konnten sie in freier Natur pflanzen und der Ruhe sich hingeben. Solche Gärten umschlossen in sehr großer Zahl beinahe die ganze heutige Altstadt. Am zahlreichsten waren sie auf der Nord- und Südseite, ferner an der Nordostecke und im sogenannten Lenzengraben an der unteren Technikumstraße. Die meisten dieser Gärten waren mit einem Gartenhäuschen versehen. Ein besonders wohlhabender Bürger jedoch ließ sich außerhalb des Schmidtors eine reizende kleine Gartenvilla erstellen.

  51. 50Kapelle St. GeorgenSeite 51

    Im Mittelalter hatte sich auch bei uns der Aussatz, also die Lepra, stark verbreitet. Diese Krankheit war aus dem Morgenland eingeschleppt worden. Es handelte sich um eine fürchterliche und unheilbare Krankheit. Sie brachte dem Menschen ein langwieriges Siechtum und ein langsames Dahinwelken. Das Übel war sehr ansteckend. Deshalb war man gezwungen, die von der Lepra Befallenen von den Gesunden abzusondern. Man verbannte sie aus der bürgerlichen Gesellschaft und setzte sie an einem bestimmten Ort aus. Daher stammt die Bezeichnung Aussätzige. Diese Kranken durften nicht mit den anderen unheilbar Kranken im gleichen Spital vereinigt werden, weil ihr Siechtum ansteckender Art war. Deshalb nannte man sie Sondersieche und ihren Unterkunftsort Sondersiechenhaus.

  52. 51Bürogebäude von Gebrüder VolkartSeite 125

    Das Bürogebäude von Gebrüder Volkart steht für die Entwicklung eines bedeutenden Winterthurer Handelshauses. Salomon Volkart, 1816 in Niederglatt geboren, sammelte nach seiner kaufmännischen Ausbildung Erfahrungen in Italien, bevor er 1845 nach Indien reiste. Nach seiner Rückkehr trat er in die Firma Gebrüder Rieter und Greuter ein. 1851 entstand das Handelshaus Gebrüder Volkart, dessen Sitz zunächst am Obertor lag. Durch internationale Handelsbeziehungen wuchs das Unternehmen stetig. 1875 wurde ein Büro in London eröffnet, später folgten Niederlassungen in Indien. Die monumentalen Geschäftsbauten prägten nicht nur das Unternehmen, sondern auch das Stadtbild Winterthurs. Salomon Volkart engagierte sich zudem politisch, kulturell und sozial und galt als bedeutender Förderer des Gemeinwohls.

  53. ZielBeerenberg

    Ende des Rundgangs auf dem Beerenberg.

Häufige Fragen zur Tour

Wie lange dauert die Tour „Paul von Moos Zeichnungsweg“?

Die Tour umfasst 51 Stationen und dauert 2-3 Stunden. Du kannst jederzeit pausieren und in deinem eigenen Tempo weiterhören.

Wo startet die Tour „Paul von Moos Zeichnungsweg“?

Der Rundgang beginnt bei Hauptbahnhof in Winterthur. Den genauen Startpunkt und alle Stationen findest du in der Karte der Audio-Tour.

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Nein. Nach dem einmaligen Speichern der Audios funktioniert die Tour offline. Nur die Live-Karte von OpenStreetMap benötigt eine Internetverbindung.

Kann ich die Tour auch zu Hause hören?

Ja. Die Audios lassen sich überall abspielen. Optional kannst du die Wiedergabe in der App auf den Umkreis der Stationen beschränken.

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